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15.11.2018
Foto: Oliver Blonske

Review der Flatlands GS 2018

Der Wettkampf-Pilot Oliver Blonske aus Düsseldorf fliegt seit Anbeginn regelmäßig bei den Gleitschirm Flatlands in Altes Lager mit. Dieses Jahr belegt er den dritten Platz in der Overall-Wertung. Hier lässt er den Wettbewerb 2018 aus seiner Sicht Revue passieren.

 

Die Vorfreude auf die Woche Altes Lager war bei mir riesig, auch wenn die Deutsche Gleitschirm Liga mal wieder einen der wenigen rein deutschen Wettbewerbe ignoriert hatte und parallel einen Ligatermin in Österreich gesetzt hatte.

Das war für die Locals und Top Piloten aus dem Berliner Club um so ärgerlicher, mussten diese ein Heimspiel gegen eine Tages An- und Abreise nach Salzburg zu tauschen. Damit sinkt der sportliche Wert der Flatlands natürlich immer mehr. Aber hier müssen die betroffenen Piloten auch selber reagieren bzw. die Finger für das kommende Jahr heben.

Um so schöner war die vergangene Woche am Flugplatz in Altes Lager. Als Teilnehmer der ersten Stunde zu den Flatlands war vorher eigentlich nur klar, dass es wenig bis gar nicht regnen wird, also sprach nichts gegen eine sonnige Woche Camping und fliegen in kurzen Hosen. Ob es fliegt, weiß man ja immer erst hinterher.

Nach meinem ersten Schlepp in einen kleinen Dusty mit schönstem Seitenwind spielte ich allerdings ehrlich mit dem Gedanken baldigst wieder abzureisen wenn das auch nur annähernd so weitergeht. Zum Glück waren die Bedingungen nur am ersten zu recht gecancelten Tag so heftig. In den nächsten drei Tagen brauchte ich ungewohnter Weise insgesamt nur vier Schlepps um den Platz mit Basishöhe zu verlassen. Maseltov!

Am ersten Tag war die Distanz der Strecke mit nur 40km rückblickend etwas „konservativ“ gesetzt, aber mit über der Hälfte des Feldes im Goal wurde alles richtig gemacht. Alleine die Rückfahrt mit einem mehr als euphorischen "Funker Martin" aus Köln „im Goal“ war es wert. Bei einem ausgedehnten Stopp an der Tanke wurden dann auch "einige" Landebiere geöffnet.

Daher ein großes Lob an die Wetterfee Birger aus Dresden! Seine morgendliche Präsentation des Wetters war ein Traum, unterhaltsam aber auch endlich mal verständlich rüber gebracht, zusätzlich mit den Animationen im Hintergrund wurden alle vorzüglich bespaßt. Im Großen und Ganzen waren seine Prognosen für die Tagesgüte immer stimmig und zutreffend.

Zum zweiten Task wurden daher direkt mal 80km ausgeschrieben. Das von Markus Henninger als Tasksetter angekündigte Panorama über den Brandeburger Seen war dann auch wirklich sehr sehr beindruckend. Mitten überm See stiegen ca. 20 Segelflieger, die unter, über und neben unserer ersten Mini Gruppe im Zielanflug ebenfalls im Wettkampfmodus entgegen schossen. Die Badehose brauchte wieder die Häfte aller Piloten nicht auspacken, da sie das Goal in Rathenow erreichten. Der Rückweg war mit meiner Gruppe wieder recht kurzweilig unter anderem durch die kühlen Landebiere an der Tanke und am Bahnhof.

Denn leider gibt es bei den Flatlands keinen aktiven Rückholservice. Die Organisation der ca. 40 Personen vom Bodenpersonal bindet alle möglichen Ressourcen. Um so größer ist die Motivation es bis in das Goal zu schaffen, weil dort meistens ein Bahnhof ist und die Regios mit Umweg über Berlin irgendwie alle ins Alte Lager führen.

Für den letzten Tag kündigte Birger für ca. 15 Uhr mega Thermik und fette Wolken an. Genau so kam es dann auch. Aus blauem zähen Gehacke wurde eine prächtiger Flugtag und ein halbes dutzend Piloten wartete daher geduldig 1-2 Stunden über dem Platz und gaste dann mit erlaubter max.Höhe von 2200m los. Das sollte sich für uns Spätstarter auszahlen, denn heute stellte es mit den 65km Hin und Rück die meisten Piloten auf dem Rückweg gegen den Wind im Schatten ab und nur 11 Piloten landeten wieder am Platz. Dort wurden wir von Andreas Lieder direkt nach Bodenkontakt mit eiskaltem Landebier versorgt.

Dieser Tag mixte allerdings noch einmal gründlich durch und am Ende waren neben dem verdienten Sieger aus der Schweiz, Peter Hürlimann, der jeden Tag seine eigene, nicht superschnelle aber zügige Linie flog, noch Lukas Bader auf 2.Platz und meine Wenigkeit als Dritter, beide mit dem Konzept hier jeden Tag mit Handbremse anzukommen, letzendlich happy auf dem Treppchen. Lukas ist vorher sogar noch die Flatlands bei den Drachen mit geflogen.

Die Stimmung am Flugplatz war wie immer ausgezeichnet, fast ausnahmslos alle Teilnehmer und die zahlreichen Helfer campten in verschiedenen Lagern am Platz. Ob mit Zelt, Wohnwagen, Bus, Wohnmobil oder im Kofferraum. Alle sind morgens und abends am Platz, man kocht oder grillt zusammen und das laute Lachen irgendwo verstummt immer erst nach Mitternacht. Mit oder ohne Regen geht es auch mal in den Geschwaderbunker wo es immer frisch gezapftes Bier für kleines Geld gibt oder auch mal spontan eine ausgedehnte Party bis in die Morgenstunden wie im letzten Jahr.

Insgesamt eine superschöne wie unvergessliche Woche, die der Berliner Club da mit einem riesigen Aufwand wieder für uns Piloten gestemmt hat.

Meinen persönlichen Dank nochmal an alle, die in ihrer Freizeit den Schleppbetrieb für die Teilnehmer ermöglicht haben. Der Planet brannte unbarmherzig auf den Platz, trotzdem wurde den ganzen Tag mit 6 Winden, Starthelfern, Startleiterinnen, Leppofahrern und vielen anderen perfekt geschleppt. Nur 60 Piloten aber täglich insgesamt 100 Personen auf dem Platz sprechen für sich. Ich habe mich jedenfalls sehr über meinen wunderschönen Bären gefreut und schaue mit Begeisterung auf die nächsten Flatlands in 2019.

Grüße
Oliver Blonske