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26.6.2017

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Drachen, auch Hängegleiter oder Delta genannt

Alle diese Bezeichnungen scheinen etwas unglücklich. "Drachen" klingt irgendwie nach Kinderspielzeug, "Hängegleiter" nach Selbstmordinstrument für Eisläufer und "Delta" sagt nur etwas über eine Form aus, die nicht mehr so ganz aktuell ist. Betrachtet man dann noch den Begriff der "Gewichtskraftsteuerung" (=Schwerkraftsteuerung), wird vollends klar, dass unser Vokabular nicht der Eleganz des Geräts angemesssen ist. Klingt irgendwie nach Physikuntericht mit nicht ganz alltagstauglichen Experimenten.

Der Pilot ist in seinem Schwerpunkt aufgehängt und verschiebt seine Masse relativ zum Gerät, in dem er den Steuerbügel bewegt. Dadurch verändert sich entweder die Form des Flügels (flexible Drachen) oder es werden Ruder/Spoiler betätigt (Starrflügel). Die Kurvensteuerung erfolgt aerodynamisch durch diese asymmetrischen Veränderungen der Tragfläche, nicht durch die Gewichtskraft an sich. Nur beim Beschleunigen oder Verlangsamen des Geräts kommt die Schwerpunktverlagerung zum Tragen.

Das funktioniert bei modernen Geräten so präzise und feinfühlig, dass man bei einem gewissen Trainingsstand gar nicht mehr das Gefühl hat zu "steuern". Der Pilot hat vielmehr das Gefühl, fest mit dem Gerät verwachsen zu sein. Ein vergleichbares Integrationserlebnis gibt es beispielsweise beim Skifahren oder dem Wildwasserkajaking. Man könnte auch sagen, die erlebte Mensch-Maschine-Schnittstelle liegt IM Flügel. Der Pilot denkt irgendwann nicht mehr darüber nach, was er jetzt tun soll. Er spürt nach, wie seine "Flügel-Prothese" gerade die Luft zerteilt.

Und das in 3D und mit mehrfacher Erdbeschleunigung, falls vom Piloten gewünscht. Dieses Potential ermöglicht auch, dass der Drachen mittels F-Schlepp hochgezogen werden kann, im Flachland ein Riesenplus gegenüber dem stationären Windenstart.

Man kann aber auch ganz ruhig dahingleiten, nur das leichte Säuseln des Windes im Ohr. Zusätzlich lässt sich dafür das Flügelprofil verändern (variable Geometrie durch Änderung der Segelspannung oder Klappen wie bei "richtigen" Flugzeugen) -- was auch beim langsamen Flug in der Thermik oder im Hangaufwind Vorteile bringt.

Zu Beginn fängt man natürlich mit einfachen Geräten an, sogenannten "Motten". Wir haben beim DCB ein paar solcher Geräte für die ersten Laufübungen vorrätig. Wir suchen aber noch nach einem besseren Begriff für das Gerät. Claudio de Ceola schlug mal "Adlerflügel" vor, etwas pathetisch zwar, aber treffend. Vorschläge sind immer willkommen...