Hier ein paar Bilder unseres fast dreiwöchigen Flugs durch Spanien, Frankreich und Deutschland . Leider sind nicht alle etwas geworden und die Reihenfolge ist nicht chronologisch (eine Digitalkamera muss her). Zum Vergrössern bitte einfach auf die Thumbnails klicken, zurück gehts mit dem Back-Button des Browsers.
Am Donnerstag vor Pfingsten 2001 trafen sich Georg und Chris am Sportflugplatz in Parchim, einem netten kleinen Flugplatz ohne Hektik.
Mehrere Falken und ein Vivat werden hier gemotorsegelt. Letzterer (Let 18 S) wurde nun von uns bepackt, die Hälfte mußte am Flugplatz bleiben, da wir beide schon mal ein paar Kilo auf die Waage bringen. Nach den obligatorischen mahnenden Worten wurden wir nun von Horst, der den Vivat nochmal durchgecheckt hatte, herzlich verabschiedet und wir konnten endlich starten.
Bei sich verschlechterndem Wetter (wenn auch laut Garfield noch "Oskar"), schaukelte der Vivat mit röhrendem Motor auf SW-Kurs Richtung Tauberbischofsheim. Zunächst über den Harz, den Thüringer Wald, die Rhön, Basis ca. 1.200 m (Sicherheitsabstand!).
Hinter Würzburg fanden wir dank GPS auch gleich den Platz Unterschüpf (EDGU), auf dem aber keiner antwortete. Also Überflug, Wind checken, Platzrunde, Fahrwerk?, Landung.
Christophs Eltern leben in der Nähe, und hier verbrachten wir zwei Regen-Pfingst-Feiertage, bis wir am Montag mit relativ starkem NW gen Freiburg entschwebten.
Am Rheintal (Althof-Drachen?) drehte schon ein Segler und entlang der Südseite flogen wir Richtung Dreiländereck. Dann bei Mühlhaus - Mulhouse nach Frankreich zum Rhone Tal, alles weite Täler, Basis 1300m.
In Macon campten wir auf dem Platz und liefen in die Stadt. So gegen 16:00 Uhr starteten wir gen Perpignan, das Rhône-Tal bis zum Mittelmeer wollten wir fliegen, verirrten uns aber dann doch ein wenig in die ansteigenden Berge, aus denen wir aber (röhr röhr) reumuetig wieder ins große Tal zurückkehrten.
Am Mittelmeer war es dann wärmer und dunstiger. Mit ca. 10 Litern Reserve im Tank (der 50L fasst) landeten wir dann endlich in Lezignan bei Perpignan, kurz vor der spanischen Grenze.
Zwei Schwierigkeiten bemerkten wir schon jetzt: Was machst du, wenn du mal pullern musst ? Zur Not gehen jedenfalls auch jene 'Sanitätsbeutel', die wir gerade greifbar hatten. Danach führten wir stets eine selbstbearbeitete Wasser-Plastikflasche (2L !) mit.
Ausserdem drückten sich unsere Hintern schon etwas durch, da die Vivat Polster nicht allzu berauschend sind. Dieses stellte sich als das nachhaltigere Problem heraus, da wir fortan in der Wärme uns der Flüssigkeit transpiratorisch entledigten, aber weiterhin 4-6 stündigen Fluegen ausgeliefert waren. So ein Motorsegler ist in der Thermik nämlich nicht zur Landung zu überreden. Während Georg den Schlafsack kunstvoll faltete, entwickelte Christoph eine Art Hochstemmgymnastik (stabile Seitenruder-Pedale!).
Am nächsten Tag hatten wir einen 50er Wind am Boden, der vom anwesenden Fluglehrer als leichte Brise bezeichnet wurde.
Georg übernahm unterdessen neben seinem Job als Copilot ("May I activate the Fowler-Flaps, Sir?") auch den des Loadmasters: Er versteht es hervorragend, sämtliches Gerödel auf der "Hutablage" mit einem langen Gummiband kunstflugsicher zu verzurren.
Bei den zu erwartenden Windscherungen weiss man ja nie...
Basis- windbedingt flogen wir über dem Meer an den Pyrenäen vorbei und machten unseren ersten Spanien-Stop in Barcelona-Sabadell. Ausserdem gab es einen kleinen
aber netten Rüffel, denn wir hatten versäumt den bei Flughäfen oder Grenzüberschreitungen notwendigen Flugplan aufzugeben. Im Gegensatz zu Deutschland geht das in Frankreich und Spanien nicht über Funk, wir hätten zunächst tatsächlich Pergignan ansteuern müssen, was wir uns gespart hatten. Eine Zollabfertigung ist in der EU glücklicherweise nicht mehr notwendig.
Nachdem es sich um einen internationalen Verkehrsflughafen handelt, konnten wir nur draussen vor dem Zaun campieren, was nicht so richtig gemütlich war.
Am nächsten Tag gings dann mit einer Auftank-Landung in Valencia nach Alicante. Lustig war, immer von einem FOLLOW-ME-CAR abgeholt zu werden, dem man dann aufs Vorfeld folgen durfte. Daraufhin kam dann meist ein Tanklaster, der erst mal den kleinen Tankstutzen heraussuchen musste ;-) In Alicante blieben wir ausnahmsweise einen Tag,denn es ist ein nettes Städtchen mit Chessna- und Jodel-Dodel-Fliegern. Die Sonne war mit uns, T-Shirt, Shorts, Sandalen, relajarse en la cuidad, d.h. was Essen & Trinken gehen oder auch noch in den Club, geht ja alles mit unseren blendenden Spanisch-Kenntnissen.
Die nächste Station war Almeria, wieder ein internationaler Flughafen. Langsam hatten wir die Nase von diesen zwar wohlorganisierten, aber nchtsdestotrotz ein wenig langweiligen Flughäfen voll. Einerseits ist es ganz gut, stets Treibstoff zu bekommen. Andererseits führen die Tanklaster nur relativ teueres Mogas oder Avgas und der Vivat begnügt sich auch mit Auto-Super. Man kann aber schlecht mit Kanistern in Flughäfen kommen...
Wir beschlossen also, kleinere Plätze anzufliegen, obgleich es oft schwierig war, überhaupt jemanden telefonisch zu erreichen, besonders Werktags. Das spanische AIP stellte sich, genau wie die Karten leider als nicht immer sehr zuverlässig heraus.
In der Nähe von Malaga hatten wir Glück und fanden einen wohlorganisierten Privatflugplatz. Durchgestyle englische und spanische Privatpiloten wienerten ihre Maschinchen, jeder hatte einen eigenen Wellblechhangar. Wenn sie nicht mit wienern beschäftigt wahren, machten sie meist Spritberechnungen. Eindrucksvoll auch die Pokale im "Pilot's Club :-0
Zunächst wurde uns gesagt, wir könnten auf denm Platz übernachten,
was sich dann später aber doch nicht als praktikabel herausstellte, da nachts
ein scharfer Hund patroullierte. Vielleicht sahen wir auch nicht vertrauenerweckend
genug aus, wer weiss. Wir zogen also wieder in ein spanisches Hostal, die sind
ja nicht so teuer. Ausserdem mussten wir sowieso ständig waschen, der Vivat
hat -wie gesagt- nur sehr begrenzte Ladekapazitäten. Außer 2 Schlafsäcken;
einem Zelt (eher Dackelgarage); einer Plastikplane, die man bei Regen über
den Flügel ängen kann, um das Zelt darunter aufzubauen; ein wenig Bordwerkzeug
und Ersatzteilen nebst Verzurrzeug; blieb nur Platz für 3 T-Shirts, 1 Pullover,
1 Jacke, 4 Slips, eine lange und eine kurze Hose pro Nase. Zahnpasta, Rasierzeug
und "Rei in der Tube" nicht zu vergessen
Wir nutzen die Zeit, den Vivat nochmal komplett abzuschmieren -- insbesondere die Klappen verlangten einiges an Handkraft.
Dabei konnten wie auch nette Abstecher in die nahe gelegenen Berge der Sierra Nevada unternehmen. Es war sehr lustig, Gebiete wie Valle de Abdalachis, die wir früher schon mit Höängegleitern beflogen hatten, nun wieder einmal anzufliegen.Dabei hatten wir das Vergnügen mit rund 20-30 Geiern in einem Bart zu kreisen, ein unvergessliches Erlebnis.
Gibraltar konnten wir leider nicht ganz erreichen, nachdem das Verhältnis zwischen Spaniern und Engländern in diesem Punkt noch nicht ganz entspannt zu sein scheint. Es ist aus Grenzkontrollgruenden obligatorisch, Gibraltar übers offene Meer anzufliegen. Strenggenommen müsste man zunächst in Tanger (also Afrika) landen und auch wieder über Tanger ausfliegen. Irgendwie stressig mit einem MoSe und wir hatten leider keine Schwimmflügel, äh, -westen dabei.
Nun hatten wir den südlichsten Punkt unserer Reise erreicht und flogen wieder Richtung Norden.
Unter anderem kamen wir dabei in Algodonales vorbei, wo zur gleichen Zeit die Drachen-WM stattfand. Wir kreisen ein wenig mirt den Kollegen, hielten aber einen gebührenden Abstand.
Schliesslich hatten wir selbst schon gelegentlich mal ein wenig Angst bei der Annäherung von Segelflugzeugen etc. und wir wollten den letzten Trainigstag ja nicht stören.
Portugiesische Karten hatten wir nicht dabei, daher ging es zunächst nach Jerez. Beeindruckend war ein nächtlicher Spaziergang durch die Sherry- (=Jerez)- Fabrikationsanlagen.
Am nächsten Tag war die grobe Richtung Madrid, was allerdings auf ein Mal nicht zu schaffen war.
Wie gesagt "grobe Richtung", denn wir flogen nach Lust und Laune den Schönheiten der zentralspanischen Landschaft hinterher.
Ein Motorsegler ist ja ein Sportgerät, daher übten wir uns im Soaring. Dabei wurde der Controller gelegentlich ein wenig verwirrt, er war anscheinend eher gerade Kurse gewohnt ;-) Nachdem wir telefonisch vorab niemanden hatten erreichen können, inspizierten einige kleine Agrar-Pisten aus der Luft.
Alle diese Plätze sind auf der spanischen Karte zwar vermerkt, aber wenige sind 'in Betrieb'. Die meisten waren "right in the middle of nowhere", wir wentschlossen uns also zur Landung auf einer mit einem Dorf im Abstand von ca. 3km.
Hier hatten wir die einzige unfreundliche Begegnung, denn sonst waren die Leute die wir trafen, in der Regel nett und an uns interessiert.
Der typische Vorarbeiter des verstorbenen Farm-Besitzers, der die Landung auf dessen ehemaliger privaten Piste nicht guthiess drohte mit Klage etc. . Am Abend in der Dorf-Bar (die einzige) war aber alles wieder paletti.
Pepe, der Bar-Man war sehr hilfsbereit, besorgte uns Sprit-Kanister, fuhr mit uns in seinem neuen AUDI A$$ die 20 km bis zur nächsten Tanke und bot uns sogar noch ein Bett in seinem privaten Fremdenzimmer an.
Das ganze war in Los Pozuelos de Calatrava (das Dorf ist ungefähr so klein wie der Name lang). Zum Dank nahm Chris ihn am nächsten Tag zu einer Runde übers Dorf mit, sein erster Flug überhaupt.
Abenteuerlustig landeten wir darauf auf dem Privat-Platz von Raffael, einem netten älteren Señor, der uns sogleich in seinem Gelände-Auto zur Tanke mitnahm und uns 20 L Sprit spendierte! Dabei erzählte er, dass der Platz nicht mehr wirklich genutzt werde und dass er auch schon mal in Berlin war, weil er von Stemme eine S10 kaufen wollte, war ihm aber dann doch zu teuer. Zwischen den Disteln auf dem Grasplatz weidete auch ein neugieriges, weisses Pferd und ein Hund lief umher. Der Name der Weide mit den 3 Pisten (1200, 700m, 500m) am Rande der kastilischen Berge: Los Caballeros de Villacastin. Beim Weiterflug nach Fuentemilanos, trafen wir einige Segelflieger, denen wir mit abgestelltem Motor nacheiferten. Fuentemilanos wird auch 'aerodromo de los alemanes' genannt, das .stimmt aber nur zum Teil, denn es waren auch viele Holländer, Engländer und Österreicher da. Stargäste waren aber die russische Motorkunstflug-National-Mannschaft, die bei Abend-Thermik stundenlang perfekten Kunstflug zeigten, Training für die WM um die Ecke. Das Dorf mit guten Kneipen ist auch hier per pedes erreichbar und die Ausstattung des Platze ist dem Beinamen durchaus angemessen.
Weiter nach Monflorite, einem alterhrwürdigen Platz auf einem Plateau am Fusse der Pyrenaäen. In den dreissiger Jahren wurden hier spanische Rekruten von ihren deutschen Verbündeten ausgebildet, zunächst im Segelflugzeug mit Gummiseilstart in die Ebene. Nachdem das Wetter kein direktes Überfliegen der Pyrernären zuliess, flogen wir zunächst am Südrand entlang und nur soweirt hinein, wie es uns ratsam erschien. Dabei wünschten wir uns gelegentlich doch 20PS mehr, die Steigleistung des Vivat ist in der Höhe und bei diesen Temperaturen doch ein wenig gemächlich. Die Überquerung der Grenze erfolgte dieses Mal auf der Altlantikseite und das Wetter war doch als grenzwertig einzustufen: Wind, Basis ca. 150m über dem Hauptkamm, gelegentliche Schauer. Man hätte jederzeit problemlos umkehren können, wir habens dann aber doch gewagt und flogen in deutlich kälterem Klima bis Aire sur l'Adoure. Dort fanden wir nette Flieger und ein Volksfest mit einem Umzug zu unserer Verlustierung ;-)
Weiter ging es dann in ziemlichen Schlettwetter oder auch mal über den Wolken entlang der Atlantikküste nach La Rochelle und Fontenay le Compte (Übernachtung im Regen) und ins Elsass (den Namen des eigenlich geschlossenen Platzes haben wir leider vergessen). Von dort segelten wir dann mit Stops in Giessen und Obermehler an einem Tag (Sunset war 21:30) bis Parchim zurück, wo wir so gegen 21.55h eintrafen (GPS sei Dank).
Auf dieser Etappe konnten wir auch mal überraschend den Düsenjägern auds der Nähe zuwinken,
die (natürlich nur zu unserem Schutz!) die Operation 'Clean Hunter' in unserer Höhe (ca. 500 m bei ca. 900 m Basis) durchführten.
Meistens wurden wir aber von freundlichen Controllern durch ihre Gebiete geschleust.
Berühmte Aussprüche unterwegs:
Nachfrage des Controllers: "Fliegen sie wirklich noch in Richtung Monflorite?" Antwort:"Ehemm, positive,,,, we just had to perform some 360ties due to the landscape! // nach stundemlangem Aufsoaren am dickem Ridge mit den vielen Windkraftanlagen am Rande der CTR."
'Jesus, es un planeador!' (Jesus, es ist ein Gleiter) // Follow-Me-Man nach der Landung in Alicante
'es muy instabil!'
// Follow-Me-Man ebenda nach einigen Wacklern des einbeinigen Flugzeugs im strammen Wind.
'das sind doch GPS zum Wandern!' // deutscher Fluglehrer der Aldiana-Flugschule in Jerez
'que calor' (welch Hitze) // alle regelmässig
'dos cervezas, por favor' (zwei Bier bitte) // meist kurz darauf
'eh, rubio, ven aqui' (hallo Christoph komm her) // etwas zweifelhafte Dame in Malaga
'c'est la fête, c'est un bordel' (das ist kein Fest, das ist ein Bordel) // Lokaler Chefpilot von Aire sur l'Adoure bei unserer Führung über den Karneval
Georg & Christoph
Falls jemand den Trip nachmachen möchte oder Kartenmaterial benötigt:
chris@gura.info