There and back again
Knapp 5 Millonen Einwohner verteilen sich in New Zealand auf eine Fläche,
die in etwa der ehemaligen BRD entspricht. Auf den Großraum Auckland,
im Norden der Nordinsel gelegen, kommt mit ca. 1 Mio Einwohnern bereits
etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Außerdem Touristen
vor allem aus Japan – zumindest, wenn man nach der Zahl der Sushiläden
geht. In Auckland also endet nach zwei Stationen in Frankfurt und Singapur
unsere ca. 27-stündige Anreise.
Auckland Use Sunscreen
Erstmal akklimatisieren. Cafés, Kneipen, Bars am Hafen, gute Restaurants
soviel das Herz begehrt. Schöne Sitte: B.Y.O. Man kann in fast jeden
Laden zum Essen seine Flasche Wein selbst mitbringen. Und die haben leckeren
Wein in Neuseeland! Auf keinen Fall sollte man die Intensität der
Sonneneinstrahlung unterschätzen – wie sich nach einem Tag
auf dem Wasser herausstellt, den Jörg mit heftigem Sonnenbrand bezahlt.
In der Sonne an Deck eingeschlafen – ohne Sonnencreme…
Dem Capt’n alle Achtung
Nach vier Tagen Nordinsel nehmen wir dann den Flieger Richtung Südinsel.
Wer einmal einen echt spannenden Landeanflug mit einer 737 erleben möchte,
dem sei ein Flug nach Queenstown empfohlen. Bis ca. eine Minute vor der
Landung konnten wir aus dem Flieger heraus (mit noch ca. 300m Höhe)
die Landebahn des Flugplatzes von Queenstown nicht entdecken. Erst als
der Capt’n in den Queranflug ging, sahen wir warum: der Endanflug
findet in einem schmalen Seitental statt, das den Flügelspitzen
des Jets je um die 200m Platz zum Hang lässt. Sportlich.
Das Panorama stimmt schon mal
WOW. Der tiefblaue See, an dessen Ufer Queenstown liegt ist gerahmt von
sanften, kaum bewaldete Hängen. Weiter im Nordwesten schimmern schneebedeckt
die Gipfel der Southern Alps. Drüber ein strahlender Sommerhimmel,
formschöne Cumulanten und ein leichter Wind. Die Landstraße
Richtung Wanaka windet sich gemächlich den Berg rauf und jede Kurve
bietet einen ein noch schöneren Ausblick als die vorherige.

Ausblick Richtung Queenstown
Fun or Open?
In Wanaka angekommen, geht es am Abend des 1. Januar zur Registrierung
in Muzza’s Bar. Hier werden in den kommenden sieben Tagen die morgendlichen
Briefings stattfinden und auch meißt am Abend die run reports eingereicht.
Meistgestellte Frage: „Do you take part in the fun or in the open?“ Heißt:
es laufen zwei parallele Comps, die offizielle „Open“ und
ein Fun-Wettkampf für Nachwuchspiloten, der aber nicht weniger ernst
genommen wird und auch sehr interessante Tasks bereithält.
Where are you from?
Über 60 Piloten sind anwesend und es geht international zu: Holland, Venezuela,
Kanada, Schweiz, USA, Australien, ja und ein paar Deutsche sind auch
da?. Überhaupt scheint es in Neuseeland keine Neuseeländer
zu geben, denn selbst, wenn man mit Einheimischen spricht, kommen die
aus Schottland, England, Wales oder Kanada. Anyway, die Stimmung ist
super. Alle bekommen ihre Unterlagen, aber leider gibt es keine Batterien
dazu. Muss ich also schnell noch in den New World-Supermarkt flitzen,
damit mein GPS auch mitmacht. Willi, bei Dir war alles doch noch am besten
;-) Dann schlägt das Jetlag zu und nach dem Bier geht’s in
die Koje.
TC Briefing, 1st Task
Am 2. Januar geht es nach einem kurzen Wetterbriefing zum Startplatz
am Treble Cone, auch liebevoll TC genannt. Dort gibt es ein Cafè an
der Seilbahnstation und hier findet gegen Mittag unser erstes Tasksetting
statt, während sich die Basis langsam hebt und den Blick auf den
märchenhaft schönen Lake Wanaka ermöglicht. Zum warm werden
zwei Wendepunkte, 37km landen mitten in Wanaka im Park. Start auf ca.
1600m nach kurzem Marsch etwas oberhalb der Station, easy as can be.
Die Bedingungen sind super und der erste Task endet mit 16 glücklichen
Piloten im Ziel.

Start Treble Cone mit Blick auf lake WanakaWWW
Kann man auch übersetzen mit World Wide Weather, das auch in Neuseeland
nicht mehr so ist, wie es mal war. So war schon der letzte Sommer sch....
und der zweite Wettkampf-Tag fällt wegen starkem Nordwestwind aus.
Wir machen uns auf den Weg zur Westküste und sehen uns den Regenwald
dort an, die berühmten Fox und Franz-Josef Gletscher und die Strände
der Tasman Sea.
Comp
Das wars dann aber auch schon mit Urlaub. Die kommenden Tage wird geflogen,
was das Zeug hält. Jeden Tag ein Task am TC mit 20 bis 50 km Länge.
Auch wenn unser Meet Director Bryan am morgen noch skeptisch die Stirn
ob des Wetters runzelt – mittags heisst es unfehlbar „The
window is open“. Wir ziehen nur um zum etwas tiefer gelegenen Start
am Pub Corner, direkt an der Auffahrt zur Seilbahn gelegen und etwas,
sagen wir…eng für einen Wettkampf. Geht aber.

Start Pub Corner
Coronet Peak
Der letzte Task findet am vorletzen Tag bei Queenstown statt, Startplatz
Coronet Peak, wohin wir wegen des Wetters ausweichen. Zickzack-Task an
der Kante lang, zweimal Tal und dann landen im Flightpark am Fuß des
Berges. Start- wie Landeplatz sind erstklassig. 5$ Landegebühr sind
mehr als berechtigt. Leider war’s das für diesen Wettkampf
und am kommenden Tag fällt fliegen ins Wasser (Regen, Regen, Regen,
Regen).

Start Coronet Peak
Middi’s Mustache
Preisverleihung und Abschiedsessen finden im Café Fe in Wanaka
statt. Die Stimmung ist gigantisch, es gibt Geschenke, Reden, Dank und
Emotion. Später wird der Schnurbart von Grant Middendorf versteigert
(Platz 8 Weltrangliste, Platz 4 NZ), um zwei der Leading Ladies die Teilnahme
an dem World-Cup in Brasilien im März zu finanzieren. Middy erklärt
sich bereit, sich für 1000,- NZ$ unter den Rasierer zu legen. Also
heißt es nach dem Essen: „Wir stehen bei 900,-$, bei 950,-$
, 1000,- $!!!!“ Kat und Harmony nehmen Middy eigenhändig unter
lauten Beifall und Pfeifen den stattlichen rotblonden Bart ab. Dann scharen
sich alle anwesenden Ladies um ihn und es gibt ein Foto vom neuen Middy.

On the road again
Am kommenden Morgen werden noch schnell letzte eMail-Adressen ausgetauscht,
dann verstreuen sich alle. Wir nehmen Nikki in unserem Mietwagen mit
bis nach Christchurch und fahren weiter Richtung Norden. In Picton geht
es auf die Fähre, durch den Marlboro-Sound und über die Cook-Strait,
in der sich Tasman Sea und Pazifik treffen nach Wellington. Von hier
aus noch mal 350km bis zur Hawke’s Bay nach Napier.

Marlboro Sound
A bit intimidating
Am kommenden Tag treffen wir Tim, der seit 20 Jahren fliegt und uns etwas
rumführt. Te Mata Peak, mit direkt neben dem Parkplatz gelegenem
Start, ist eher etwas für bergfeste Piloten. Auf dem sehr steilen
Südstartplatz hat nur eine Kappe Platz. Wenn das Aufziehen nicht
klappt hängt man links oder rechts in den Felsen oder oben im Zaun/den
Zuschauern/den parkenden Autos. Der Flug ist einfach – ein schöner
Talkessel sorgt für die Strömung an der Kante, Landung auf
einer riesigen Wiese.

Te Mata Peak
And back again
Drei Wochen gehen schnell vorbei. Gute Vorbereitung ist also empfehlenswert.
Ausländische Piloten sollten dem Neuseeländischen Flugverband
als Gäste beitreten. Kostet für drei Monate so um die 20,- €.
Infos: www.nzhgpa.org.nz.
Man bekommt dafür auch ein Magazin mit
Infos und jeder Menge Neuseelandweiten Kontaktadressen zugeschickt. Wer
in Wanaka fliegen möchte findet hier mehr Stoff: http://www.wanakaparagliding.co.nz/ und für Queenstown hier: http://www.elevation.co.nz/contents.htm.
Allgemein gilt: alle sind sehr hilfsbereit und freundlich. Da aber in
fast allen Fluggebieten Besonderheiten bezüglich der Start- und
Landeplätze zu beachten sind, sollte man diese Hilfs- und Auskunftsbereitschaft
auch in Anspruch nehmen. Setzt euch mit dem lokalen Club oder der Flugschule
in Verbindung, bevor ihr fliegt. Oft ermöglichen nur bestimmte Vereinbarungen
der Clubs mit den Landeigentümern das Fliegen und Gäste sollten
diese Agreements nicht durch Unwissen gefährden. Bei Streckenflügen
zu beachten: es gibt im Hinterland kaum Straßen. Eine ungünstige
Außenlandung kann also schon mal einen zweistündigen Fußmarsch
zur nächstgelegenen Straße bedeuten. Immer Wasser, Hut und
Sonnenschutz mitnehmen.
Die Infrastuktur sonst ist sehr gut. Gute Unterkünfte gibt es in
vielen Orten zu bezahlbaren Preisen (Campingplätze, Caravanplätze,
Motels etc. ).
Und wer hat’s gefunden?
Wie unser holländischer Mitflieger Bob bei seiner Dankesrede (Platz
3. Fun-comp) sagte: „Es war super. Selten soviel Spaß in
so kurzer Zeit gehabt und so viele nette Leute getroffen. Ich bin wirklich
sehr froh, dass wir Holländer Neuseeland gefunden haben“ ;-)
Snezana, Januar 2005
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