Hallo Leute, hier mal ein kleiner Bericht über die Frankreich-Tour, die Gerd Ott und Icke im Sommer 03 unternahmen. Los ging’s in Freiburg, wo wir erstmal zum Treh fuhren. Dort kann man auch prima französisch lernen, auf den Schildern steht ‚le Markstein’ oder ‚le Schlucht’, ja so einfach kann’s sein. Die Vogesen liegen auf dem Weg nach Süden und sind als Einstieg zu empfehlen, und beim richtigen Wetter auch thermisch sehr gut.
Wir hopsten vom Treh, auf dem man auch prima wieder obendrauf landen kann, und wurden abends bekocht von Mathias, der mich mit seinem Kumpel Tobi schon bis Freiburg mitgenommen hatte. Abends dräute schon von Westen eine dunkle Linie, und wir nahmen uns vor, soweit nach Süden zu fahren wie möglich.
Und so wars dann auch, wir fuhren gleich bis Millau, wo wir Kuhli besuchten, der dort wie immer seine Drachen-Kurse abhielt. Das dortige Haus von Jürgen liegt echt schön am Berg und man kann das ganze Tal (alle Startplätze) überblicken. Wir hopsten vom Puncho und konnten sogar etwas aufdrehen. Die anderen waren hartnäckiger und soarten dort eisern bis zum Sonnenuntergang, während wir schon in der klaren Tarne badeten !
Sie soarten bis zum Sunset: Millau, Puncho d'Agast
Wir beschlossen, Gerds Freundin Astrid in Montpellier zu besuchen, aber nicht ohne einen Umweg zu der schönen Kante les Serannes (1200m) zu machen wo wir prima soaren konnten und sogar noch jemanden fanden der unser Auto mit runternahm. Etwas früher hätten wir auch mit der Navette mitfahren können, dem Shuttle-Bus. Der lokale Club-Wettbewerb wurde gerade gewertet, am Landeplatz Coupiac wurden die Teilnehmer einfach gefragt, wohin sie denn so geflogen wären, das Lineal und die Karte entschieden über die Punkte, wozu also GPS?
Les Serannes, Blick Richtung Rhône-Tal
Einem netten Abend in Montpellier folgte dann am nächsten Tag ein Un-Un-Unwetter, dem wir aber quasi mit dem Auto entschwimmen konnten. Wie schon während der vorangegangen Tage sind wir dann auch diesmal wieder ins einzige Vorhersage-Sonnenloch gefahren, nämlich an den Rand der Pyrenäen, bei Foix. Dort (‚Prat d’Albis’) war’s zwar eher was zum Nachmittags-Rumkrebsen (Gerd hat’s einmal über 30 Min. geschafft!), aber super Natur (wir konnten am Berg campen), eine nette Flugschule mit den armen Eleven, die sich jeden Tag plagen mussten, und ein toller Blick aus dem Haut Languedoc raus ins Flache bzw. in die Pyrenäen. Nun war mein lange gehegter Wunsch in Reichweite, mal an die Dune du Pyla bei Arcachon zu fahren, und Gerd war d’accord. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass man sich auf einen Campingplatz mit Hotelpreis einmieten musste, was aber durch die gute Lage und die dortigen Annehmlichkeiten (jeden Abend Animationsshow, laut!) aufgehoben wurde.
Erstmal von oben kucken - hinten ist die grosse Düne
Mal ehrlich, diese Düne ist schon ein magischer Ort, es ist ein Fliegen ohne Angst (es sei denn man will sich wie die Deutschen partout von der Drachenkante raushauen und sich dort beim Landen den Finger zu brechen), ohne Stress (Vorflugregeln sollte man schon können), jeder in seiner Etage, also oben soaren oder unten durch den Sand pflügen. Es gelang mir einmal, die komplette grosse Düne hochzufliegen in ca. 1m Höhe. Das ist schon was anderes als Lübars in Berlin. Hier wie auch überall sonst in Frankreich gibt es fast so viele Biplace-Flieger wie einsitzige, der Baptême de l'Air (die „Lufttaufe“) wird hier von sehr vielen Leuten gemacht, es wird auch anders beworben als bei uns. Auch ein ca. 3 Jahre altes Mädchen sah ich dranhängen, auf der Düne sicher nix Besonderes.
In die andere Richtung wird's flacher
Nun war das eigentliche Ziel unserer Reise, die französischen Alpen, auch einmal aus den Wolken aufgetaucht, und wir querten also La Grande Nation, um dort mal die Luft zu testen. Am Lac d’Annecy konnten wir ein bisschen rumkratzen, die französische Liga hatte gerade 2 Durchgänge von je 100KM abgerissen, aber das machen wir dann nächstes Mal! Auf jeden Fall eine wunderschöne Landschaft, tolle Felskanten und ein grün schimmernder See.
Über den See zum Landen, bevor einem der Himmel auf den Kopf fällt...
Da die Wolken und auch der Regen uns auch hier bald weitertrieben, versuchten wir noch, von der Salève bei Genf zu hopsen, wurden aber ein Opfer des Rückenwindes. Dafür konnten wir aber beim vereinseigenen Landeplatz campen, sie haben dort Vereins-Köche (!), die sich schämten, dass es zum Frühstück nicht wie sonst frischen Obstsalat gab. Man startet dort in FR und landet in CH, einen richtigen Grenzübergang gibt’s aber auch am Boden nicht mehr (auf der Landstrasse schon, wie wir merkten..).
Am letzten Tag lachte noch mal die Sonne, und wir fuhren noch mal in die Berge südlich des Genfer Sees, nach Samoëns. Dort war’s schon etwas alpiner, trotzdem blieb uns unser Thermikglück auch diesmal hold - man musste eisern kratzen, um nicht gleich abzusaufen. Der Bauer, ein junger Bursche mit Quad (Vierrad-Motorrad), liess es sich auch nicht nehmen, die Kühe über die Startwiese zu hetzen, Gerds Schirm blieb aber verschont.
Samoëns: Unten war mehr Wind...
Auch hier eine tolle Landschaft, zum See raus wird’s flacher, nach hinten geht’s hoch bis zum Montblanc, der aber nie zu sehen war – die Wolken waren wohl 2.000m zu tief. Am Landeplatz rappelte es noch mal ordentlich, aber das Gewinke mit den Ohren kannte ich ja schon (ja ja, schon aktiv geflogen, könnt ihr mir glauben).
Abends kamen wir dann wohlbehalten in Pontarlier an, wo wir meinen Freund Stéphane besuchten und am nächsten Tag gen Berlin losrollten, was uns auch mit zwei kleinen Stockungen in 12 Stunden gelang.
Ich war froh, in einem Stück wieder zurück zu sein, schliesslich hat sich unsere vorsichtige Herangehensweise ausgezahlt. Ich würde aber gerne mal in dem Gebiet südlich von Grenoble fliegen, dort vielleicht auch mal mit Drachen, soll wohl etwas hart sein die Thermik dort. Am Lac d’Annecy durften wir auch einen Rettungshubschrauber bewundern, der ein paar Gleitis aus der Tournette holte, die Bedingungen waren zu dem Zeitpunkt mittelsportlich.
Gerade dort sahen wir sich Leute raushauen, dass es einem wirklich anders werden konnte, auch das ist Vol Libre, jeder wie er will.
Tips: Frequenz 143,9875 MHz gibt fast immer die nächstgelegenen Wind-Talker wieder, also Windstärke und Richtung, ausserdem meisst die Notruf-Frequenz. Man kann auch auf dieser Frequenz einfach rufen, wenn man den Startplatz nicht findet!
Vol Libre: An fast jedem Start- und Landeplatz steht eine Hinweistafel vom Verband, was man an dem Ort beachten sollte, bzw. dass man natürlich immer Kontakt mit den Locals aufnehmen sollte, die Natur respektieren, etc. Das war’s. Keine Start-, Lande-, Tagesmitgliedschafts-, etc. –gebühren, überhaupt nix!
Campen: Wir haben fast immer unsere Zelte irgendwo hingestellt, es hatte keinen gestört – Ausnahme an der Düne. Am Lac d’Annecy (Montmin, Forclaz) gibt’s nen schönen kleinen Gebirgscampingplatz in ca. 1500m Höhe.
Englisch: Wer kein franz. kann, kommt auch mit Englisch weiter.
Startplätze: Wir haben im Internet vorher gekuckt, wie immer über die DCB-Seiten (Super-Linksammlung). Es gibt auch eine FR-Fluggebiets-Karte (IGN 924?), hatten wir aber nicht (grosse Buchhandlungen in FR oder von hier bestellen).
Gerd und Georg