Auf die Autobahn und immer geradeaus, Richtung Süden fahren. Solange, bis man beim Tankstop an der Bar einen Capuccino bekommt und dazu ein süßes Brioche, vielleicht mit Marmelade gefüllt. Dann biegt man hinter Trento ab, Richtung Padova und vor Bassano Richtung Romano d’Ezzelino. Jetzt sieht man schon zur Linken die Berghänge des Monte-Grappa-Massivs. Und der blaue Himmel darüber ist gesprenkelt mit bunten Farbtupfern. In Semonzo noch einmal links abbiegen, und da liegt schon der Landeplatz. Ostern in Bassano.
Unsere Ankunft am Spätnachmittag des Gründonnerstag im fliegerischen Frühlingsmekka Bassano war wie aus dem Bilderbuch. Softe Lüftchen am Landeplatz, sonnenbeschienene Starthänge. Also keine Zeit verschwendet und gleich zum Weststartplatz am „Col di Serai“ raufgefahren, vorbei an der Kirche in Semonzo und immer bergauf der Serpentinenstraße nach. Hier empfingen uns ideale Bedingungen für einen Guten-Abend-Flug. Die große, nach Westen leicht abfallende Wiese bietet einfache Startbedingungen und einen problemlos erreichbaren Landeplatz. Wir genossen noch kurz die Abendsonne und dann den sanften Flug in der lauen italienischen Luft.
Am Abend gesellten wir uns zu der Mehrzahl der Piloten, die in die „Antika Abbazia“ am Ort einkehren. Bei Pizza, Nudeln und Wein läuteten wir unseren fliegerischen Kurzurlaub standesgemäß ein. Hier trifft man am Abend (fast) alle Piloten wieder und bekommt am nebenan gelegenen Zeltplatz auch eine Schlafstelle.
Die Planung für die kommenden Tage war schnell gemacht: fliegen, was die Thermik hergibt. Dazu bieten drei gut erreichbare Startplätze auf 750m bis 950m den Ausgangspunkt. An Wochenenden und Feiertagen nimmt man ein Parataxi für € 3.- nach oben. Vormittags startet man an der „Costa Lunga“ nach Ost/Südost, mittags am „Col del Pupolo“ neben der Drachenrampe oder später am „Col di Serai“. Nebenbei genießt man den freien Ausblick über die gesamte Poebene - bei klarem Wetter wird die Lagune von Venedig sichtbar .
| Der Karfreitag brachte bestes thermisches Wetter - in der Nacht hatte es sich bis auf 4 Grad abgekühlt. Wir starteten gegen Mittag am „Col del Pupolo“ zu einem ca. einstündigen Flug in der Frühjahrsthermik. Mit 2,5m bis 3,5m ging es in der Blauthermik hoch über den Berg. Das ganze machten wir gleich noch einmal, weil es so schön war, bevor wir uns vor dem Tilly’s zum Landebier in die Abendsonne setzten. Sobald diese hinter dem Berg verschwunden ist, wurde es kalt und uns zog es an den warmen Pizzaofen. | ![]() |
![]() |
Am Samstag hatte sich das Fluggebiet mit Piloten gefüllt, die am Gleitschirm-Wettbewerb des örtlichen Clubs teilnahmen oder daran teilnehmen wollten. Der „MonteGrappaCup“, wurde dieses Jahr zum zweiten Mal ausgetragen. Es wurde also eng am Startplatz und zum Teil auch in der Luft, obwohl die Wettkampfleitung die Wettbewerbstarts an den „Monte Meta“, an das „Monument“ verlegt hat. Wir wichen an die „Costa Lunga“ aus und starteten diesmal früher am Tag. Es lohnte sich, obwohl auch andere Piloten diese Idee hatten. Traumhafte Steigwerte von bis zu 4,5m brachten uns in den Fliegerhimmel. |
Ein besonderes Schauspiel war das Vorbeiziehen des Wettkampffeldes in etwa 300m über Startplatzniveau in Richtung der nächsten Boje. 200 Schirme am Himmel, die alle denselben Kurs haben, wie aufgereiht hinter- und nebeneinander fliegen. Das konnte man sich mit offenem Mund ca. 15 Minuten ansehen, dann waren die Zugvögel verschwunden. Am Landeplatz blickte man später in die glücklichen Gesichter der versammelten europäischen Gleitschirmszene: Norwegen, Österreich, Deutschland, Italien, Kroatien, Polen, Tschechien...
Der Ostersonntag und Ostermontag stand weiter im Zeichen des Wettkampfes. Die thermischen Bedingungen stellten sich am Sonntagnachmittag brav wieder ein, nachdem der Vormittag wegen einer durchziehenden Front diesig war. Recht üblich für Bassano im Frühjahr. Am Nachmittag wurden aber auch erste Hubschraubereinsätze geflogen, die den Betrieb am Startplatz und in der Luft etwas beeinträchtigen. Am Landeplatz erfuhren wir von zwei verunglückten Piloten. Leider scheint es nicht auszubleiben, dass dort, wo viel geflogen wird, auch viel passiert.
| In Bassano wird viel geflogen, Piloten aller Könnensstufen sorgen für Betrieb. Das Geländeprofil des zur Poebene hin abfallenden Monte-Grappa-Massivs ermöglicht schon im März thermische und auch Streckenflüge. Das Fluggebiet hat eine sehr gute Infrastruktur. Anfänger fühlen sich an den einfachen Startplätzen gut aufgehoben. Die Startplätze liegen direkt oder nah an der Straße, die Zufahrt ist gekennzeichnet. Der Landeplatz ist großzügig. Außenlandungen sind auf den umliegenden Wiesen möglich. Die Gemeinde pflegt das Gebiet engagiert und erhebt von Gastpiloten einen kleinen Beitrag in Form einer Flycard, die man an der Information im Büro am Landeplatz oder in dem kleinen Supermarkt schräg gegenüber erhält.. | ![]() |
Ostern in Bassano war ein gelungener Saisonbeginn. Das einzige Manko, eine vorübergehende Knappheit an Kartoffelchips, die wir gern zum Landebier verspeisten, führe ich auf die Feiertage und den großen Andrang zurück. Sollte das Wetter einmal nicht so mitspielen, kann man einen Ausflug nach Venedig machen, das in gut einer Stunde erreichbar ist. Wandern, Mountain-Biken und Bassanos Altstadt sind Alternativen „vor der Haustür“.
Fragen gerne an: Snezana Kocijancic